Alena Drieschova: Neues Forschungspapier analysiert die Rolle sozialer Medien im Diskurs über Klimawandel

Die Veröffentlichung eines ersten Arbeitsgruppenberichts zum 6. Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ['The Physical Science Basis', Working Group I report] anfangs dieser Woche stieß auf breite Resonanz in Mainstream-Medien und auf Social Media-Plattformen. Doch die Botschaften der Klimadebatte und die Form ihrer Verbreitung unterscheiden sich in diesen Medien und es sind nicht unbedingt Internationale Organisationen, die diesen Diskurs dominieren. Alena Drieschova, bis vor kurzem Gastwissenschaftlerin am Kolleg,  untersucht in ihrem neuen Forschungspapier 'The Social Media Revolution and Shifts in the Climate Change Discourse' das, was sie die "Möglichkeitsstruktur" der sozialen Medien nennt.
 

Nachrichten verbreiten sich in den sozialen Medien weit, wenn sie häufig geteilt, geliked und retweetet werden. Sie müssen bei ihrem Publikum eine Reaktion hervorrufen, die es dazu bringt, aktiv auf die Nachrichten zu reagieren, und sei es nur mit einem Mausklick. (3)

Im Hinblick auf die aktuelle Klimadebatte vergleicht Drieschova die entgegengesetzten Gruppen der Klimaskeptiker und der sozialen Bewegung der Klimaaktivisten.  Zahlen belegen, dass die Bewegung der Klimaaktivisten diese Medien wesentlich erfolgreicher nutzen.  

Drieschova legt eine qualitative Studie vor in bewusster Absetzung von jenen überwiegend quantitativen Studien, die sie in einer Übersicht über die Forschungsliteratur referiert. Sie interessiert sich für marginalisierte Gruppen und individuelle Akteure auf der Suche nach Bildern, Geschichten und Argumenten. Im Sinne einer 'Netnografie' untersucht sie Profile auf Instagram, Facebook und Twitter. Hingegen identifiziert sie Klimaskeptiker überwiegend aufgrund von deren Blogaktivitäten, laut Drieschova das effektivste Medium dieser Gruppe.

Drieschova sieht die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg als herausragendes Beispiel für eine Akteurin, die den Klimadiskurs durch persönlichen Einsatz und Resonanz in sozialen Medien beeinflusst. Allgemein gelinge es Klimaaktivisten, Klimawandel als eine Sache der Generationengerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit zu kommunizieren. Hinzu kommt eine weitere Erkenntnis, die überraschen mag:
 

Entgegen der Intuition, kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Digitalisierung nicht nur technisch versierte Personen, sondern auch bestimmte, vergleichsweise wenig technikaffine und bislang marginalisierte Personen stärken kann. Insbesondere junge Frauen können, wenn sie ihre Verletzlichkeit, ihre Ästhetik und ihre emotionalen Botschaften nutzen können, hohe Aufmerksamkeitswerte erzielen, wenn sie sich für politische Veränderungen einsetzen.

Damit spricht Drieschova auch einen Aspekt an, der auf Social Media Plattformen eine besondere Rolle spielen kann: Bilder und Geschichten eines exemplarischen Lebens können eine Botschaft übermitteln, die dem Diskurs der Klimawissenschaft etwas hinzuzufügen scheint.

Ganz in diesem Sinn hat Frank Gadinger das Papier in seinem Vorwort gewürdigt:
 

Drieschovas Analyse liefert nicht nur wichtige Einblicke in den Klimawandeldiskurs in den sozialen Medien, sondern beleuchtet auch Strategien der (De-)Legitimierung durch verschiedene Gruppen im Zusammenhang mit Klima- und Wissenschaftsdiskursen und ist daher ein wichtiger Beitrag zum Forschungsbereich des Kollegs über Legitimation und Delegitimation in der globalen Zusammenarbeit.

 

 

 

Die Autorin

Alena Drieschova ist Dozentin für Internationale Beziehungen an der Universität Cardiff und war Postdoc Fellow am Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research der Universität Duisburg-Essen. Sie hat an der Universität Toronto promoviert. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf internationalen Ordnungen und wie diese durch materielle Kultur, Technologie und Praktiken geformt werden. Derzeit arbeitet sie an ihrem Buchmanuskript, das eine makrohistorische Analyse der Stabilität und des Wandels internationaler Ordnungen auf der Grundlage von Veränderungen in der materiellen Kultur liefert. Sie war Gastwissenschaftlerin am International Water Management Institute in Sri Lanka, an der Hebräischen Universität Jerusalem und an der Oregon State University. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Climatic Change, Global Environmental Change, International Organization, International Theory und International Studies Quarterly veröffentlicht.

Kontakt: DrieschovaA@cardiff.ac.uk