Digitale Governance und Demokratie

Ein Bericht vom vierten Tag

Der letzte Tag der Jahrestagung der Society for Advancement of Socio-Economics gab den Teilnehmern noch einmal die Möglichkeit, sich über die Forschung zu neuen Formen des Regierens zu informieren. Panels diskutierten globale Veränderungen und deren Verflechtung mit politischer Repräsentation sowie digitaler Governance, die in Zeiten von Home-Office und Home-Schooling essentiell geworden ist.

Das Panel 'Digital Data Governance from a Polycentric Perspective. Policies, Practices and Technologies' eröffnete einen Dialog darüber, wie und von wem Informationen im Internet durch die Linse des Polyzentrismus verwaltet werden. Carolina Aguerre eröffnete das Panel mit einer Debatte über die Relevanz eines polyzentrischen Ansatzes für die digitale Datenverwaltung. Sie argumentierte, dass bis vor kurzem der Fokus der politischen Entscheidungsträger hauptsächlich auf dem Schutz lag. Jüngere Debatten haben sich jedoch auf die Anerkennung technischer Standards verlagert. Aguerre untersuchte, dass Initiativen der EU, Chinas sowie Kartellverfahren gegen große Unternehmen von datengetriebenen Umgebungen eine umfassendere Perspektive anerkennen. Malcolm Campbell-Verduyn ging auf distributive Formen der Daten-Governance ein und skizzierte, dass die häufigen Herausforderungen der Instabilität reproduziert werden. Er präsentierte seine Beobachtungen in Bezug auf die übergreifend angestrebten Visionen von Bitcoin als "Währung" ohne zentrale Autorität. Er kam zu dem Schluss, dass die Vision zwar nicht ganz neu ist, die Umsetzung aber Tendenzen einer zugrundeliegenden Ordnung zeigt, die sich an junge, weiße Unternehmer im globalen Norden richtet. Nathalia Sautchuk-Patrício setzte das Panel mit einer Diskussion über Netzneutralität aus einer polyzentrischen Perspektive fort. Sie erklärte, dass die Netzneutralität auf dem Prinzip der Nicht-Diskriminierung von Datenpaketen basiert. Sie zeigte auf, wie eine solche Diskriminierung stattfinden kann und woher die Spannungen zwischen den verschiedenen Akteuren in dieser Frage kommen. Sie schloss damit, dass ein neutrales Internet Innovation, Wettbewerb und den Zugang zu Diensten fördern würde. Janet Xue schloss diese Sitzung mit einer Analyse der Steuerung hybrider Datennetze am Beispiel der Mobilitätsanwendung DiDi. Sie skizzierte, wie sich die Plattform sowohl an den Verbraucher als auch an Investoren richtet, die den Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen zu den beteiligten Akteuren anstreben. Es stellte sich jedoch die Frage nach der Angemessenheit der Selbstregulierung der Verbraucherdaten und der Beziehung zu den lokalen Stakeholdern.

Das Thema des ständigen Wandels wurde von Jane Mansbridge in ihrem vorgestellten Panel über "Our Democracies: Too Weak to Bear Burdens" (Zu schwach, um Lasten zu tragen) fort, in dem sie erklärte, dass Demokratien im Stil des 18. Jahrhunderts in Bezug auf die Art und Weise, wie Repräsentanten kommunizieren und mit ihren Wählern in Beziehung treten können, überholt sind. Sie skizzierte, dass Gesellschaften mit dem Trittbrettfahrer-Problem konfrontiert sind, bei dem Individuen (oder Staaten) von "frei nutzbaren Gütern" profitieren, ohne zu deren Produktion beigetragen zu haben, was im Laufe der Zeit dazu führen würde, dass sie sich nicht mehr beteiligen. Sie argumentiert daher, dass ein Eingreifen des Staates notwendig ist, um die Individuen zu ermutigen, einen Beitrag zu leisten, skizzierte aber weiter, dass die heutige Herausforderung darin besteht, einen Weg zu finden, diesen staatlichen Zwang zu legitimieren. Mansbridge erklärte, dass die Frage des Trittbrettfahrens in Bezug auf Maßnahmen gegen den Klimawandel in Zukunft noch zunehmen wird. Um jedoch legitime Formen des staatlichen Zwangs zu finden, müsse man nach dem wahren Interesse hinter einer bestimmten Position suchen. Sie betonte, wie wichtig es sei, die richtigen Fragen zu stellen und zuzuhören, was die Menschen tatsächlich sagen. Mansbridge bezog sich auf Mary Parker Follet's "integratives Verhandeln", durch die die Teilnehmer einer Diskussion den Konflikt erkennen und versuchen sollten zu verstehen, was die Motivation jedes Teilnehmers ist. Als Lösung für das vorgestellte Problem schlug sie die "rekursive Repräsentation" vor, die sie als Politik mit dem Volk beschrieb. In diesem System würde eine zufällig ausgewählte Gruppe von Wählern die Möglichkeit erhalten, mit ihrem Vertreter direkt über ihre Anliegen zu sprechen. Sie erklärt, dass in einem solchen System nicht nur Aktivisten, sondern auch widerwillige Teilnehmer einen Anreiz hätten, sich einzubringen. Darüber hinaus skizzierte sie, dass dieses System auch das Verständnis der Wähler füreinander erhöhen würde.

Wenn Sie mehr über die Panels der diesjährigen Konferenz erfahren möchten, besuchen Sie SASE auf Youtube!


Von der Konferenz: Jasmin Schmitz


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