Globale Zusammenarbeit und Migration

Ein Bericht vom dritten Tag

Der Sonntag markierte den dritten Tag der Jahreskonferenz der Society for Advancement of Socio-Economics. Der Tag war wieder gefüllt mit inspirierenden Podiumsdiskussionen, die Forschungsergebnisse zu den drängendsten Problemen unserer Zeit präsentierten. Der Tag war außerdem gefüllt mit Präsentationen über mögliche Wege in die Zukunft, die sich mit der Frage beschäftigten, wie man sich trotz unsicherer Aussichten auf den Weg machen kann.

Das Hauptpanel Migration during and After the Covid-19 Pandemic bot eine aufschlussreiche Diskussion über die Herausforderungen, mit denen Wanderarbeiter konfrontiert sind, die Veränderungen in der Einstellung während der Pandemie und Möglichkeiten, die Migrationspolitik zu ändern. Biao Xiang wies zu Beginn der Sitzung darauf hin, dass der Mobilität während der Pandemie mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, da vor allem Wanderarbeiter betroffen waren. Er argumentiert daher, dass die Gesellschaft in solchen Situationen, in denen die Mobilität konfiguriert werden muss, eine logistische Macht benötigt, um alternative Mobilität zu ermöglichen. Ito Peng fuhr mit der Beobachtung fort, dass Wanderarbeiter als unverzichtbare Arbeitskräfte überrepräsentiert sein können, wodurch die Gesellschaft auf ihren Beitrag angewiesen ist, während die Arbeiter in einer Umgebung mit wenig Schutz unsichtbar bleiben müssen. Sie argumentierte, dass Arbeitsmigranten bei der Beantragung von Visa oft als gering qualifiziert eingestuft werden, was den Zugang zu einem dauerhaften Aufenthalt erschwert; sie argumentiert daher, dass es bei Einwanderungsprozessen wichtig ist, zu hinterfragen, wer aus welchen Gründen priorisiert wird. Brenda Yeoh setzte das Panel mit einer detaillierten Beschreibung der Härten fort, die die Pandemie für Arbeitsmigranten verursacht hat, einschließlich der zunehmenden rassistischen Angriffe gegen sie. Sie schlägt vor, dass längere Aufenthalte für Arbeitsmigrant*innen erleichtert werden sollten, ebenso wie soziale Integration und Sicherheitsnetze als Teil des nationalen Arbeitsangebots, und dass technologischer Ersatz für gering qualifizierte Arbeitsmigranten bereitgestellt werden sollte. Martin Ruhs schloss diese Sitzung mit einer Diskussion über systemische Resilienz ab, in der er auch argumentierte, dass die Definition von gering qualifizierter Arbeitsmigration überdacht und ihre Bedeutung weiter erforscht werden müsse. Er argumentiert, dass sich die Diskussion von der Debatte über den Fachkräftemangel auf nationaler Ebene auf die Frage verlagern sollte - in einem länderübergreifenden Kontext - ob das System widerstandsfähig genug ist, um weiterhin eine Leistung zu erbringen.

Wenn Sie mehr über die interessanten Panels auf der diesjährigen Konferenz erfahren möchten, besuchen Sie SASE auf Youtube!

Das Panel "Imagining Pathways for Global Cooperation" präsentierte einen neuartigen Ansatz zur Untersuchung globaler Kooperation, der Imagination und Reflexivität in den Mittelpunkt stellt. Die verschiedenen Beiträge untersuchten, wie globale Kooperation durch die Art und Weise geprägt wird, wie wir ihre Natur, Bedingungen und Entwicklung interpretieren, erzählen und uns vorstellen. Wie Katja Freistein im Einführungsvortrag erläuterte, impliziert dies eine Verschiebung des Fokus von vordefinierten Ergebnissen hin zu Prozessen globaler Kooperation. Imaginierte Wege (die in verschiedenen Formen ausgedrückt werden können, u.a. in Form von Narrativen, Artefakten und Szenarien) haben Auswirkungen auf die Prozesse der Zusammenarbeit, z.B. in Bezug auf ihre normativen, kognitiven und emotionalen Aspekte. Die anschließenden Präsentationen zeigten, wie solche Effekte in verschiedenen Feldern der globalen Kooperation zu beobachten sind. Bettina Mahlert analysierte in ihrem Vortrag das Aufkommen des Human Development Index als Alternative zur Fixierung auf das Pro-Kopf-Einkommen. Sie interpretierte diese Innovation als einen von mehreren möglichen Wegen, sich Entwicklung vorzustellen. Maryam Deloffre konzentrierte sich auf die Festlegung von Standards für Qualität und Rechenschaftspflicht, insbesondere das SPHERE-Projekt, als eine Möglichkeit, sich bessere humanitäre Maßnahmen vorzustellen. Ihre Präsentation zeigte, wie Reflexivität durch ein kritisches emotionales Ereignis, nämlich das Versagen des humanitären Sektors angesichts des Völkermordes in Ruanda, neue Wege zu Kooperation und kollektivem Handeln hervorbringt. In der letzten Präsentation des Panels ging Christine Unrau der Frage nach, wie Wim Wenders' Dokumentarfilm "Die Flucht" zur Imagination einer anderen Form der Kooperation in der globalen Migrationspolitik beitrug und diese reflektierte.

Das Panel bot Erkenntnisse aus dem Buch "Imagining Pathways for Global Cooperation", herausgegeben von Katja Freistein, Bettina Mahlert, Sigrid Quack und Christine Unrau, das 2022 bei Edward Elgar erscheint.


Von der Konferenz: Jasmin Schmitz


Nächste Veranstaltung

Border Violence: The Case of Melilla

4th Global Migration Lecture

Dr Estela Schindel
Associate Professor and Academic Coordinator of the Viadrina Institute for European Studies (IFES), Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Discussant:  Dr Bidisha Biswas
Professor of Political Science, Western Washington University & Senior Research Fellow at KHK/GCR21

Moderator:  Dr Volker Heins

Dienstag, 6. Juli 2021 (18:30–20:00 Uhr, MESZ) | Online-Vorlesung.  Der Zugang wird nach der Registrierung freigeschaltet.

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