Migration Governance: Neue Koinova-Monographie und ein Workshop im November

Migration Governance bildet eines der vier Politikfelder des Kollegs. Die Forschung in diesem Bereich hat bereits seit geraumer Zeit Erkenntnisse und Ergebnisse vorzuweisen. Eine Sonderausgabe des Third World Quarterly in diesem Jahr zum Thema "New Actors and Contested Architectures in Global Migration Governance" wurde von Wissenschaftler*innen des Kollegs herausgegeben und stützt sich auf Workshops, die hier durchgeführt wurden. GCR21 Associate Senior Fellow Maria Koinova, Professorin für Internationale Beziehungen an der University of Warwick, hat die Literatur zum Thema kürzlich um eine hochinteressante Monographie bereichert: Diaspora Entrepreneurs and Contested States entwickelt ein neuartiges Verständnis von Diaspora-"Unternehmern" auf der Grundlage ihrer Verbindungen zu De-facto-Staaten und verschiedenen globalen Kontexten. Gemeinsam mit Volker Heins, Policy Convener für Migration Governance am Kolleg, lädt Koinova nun zu einem Workshop im November ein, der sich mit der "Governance of Transit and Irregular Migration" beschäftigt. Im Folgenden geben wir Eindrücke von einer ersten Lektüre ihres Buches wieder und veröffentlichen einen Aufruf für den Workshop.

Koinova interessiert sich für konfliktbedingte Diaspora und die Mobilisierung der Betroffenen gegenüber ihren Herkunftsländern bei Erfahrungen umkämpfter Souveränität. Sozialräumliche Verflechtungen, wie sie dabei entstehen, können als Ergebnis der Verfolgung heimatbezogener Ziele durch Interessenkanäle verstanden werden. Koinovas empirische Ergebnisse stammen aus jahrelanger Forschung und engem Kontakt mit Diaspora-Akteuren in Großbritannien, Schweden, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Sie unterscheidet vier Typen:
 

    Broker (starke Verknüpfung: Gastland, ursprüngliches Heimatland, globale Standorte)
    Einheimische (The Local) (starke Verknüpfung: Gastland, schwächer: ursprüngliches Heimatland, globale Standorte)
    Entfernte (the Distant) (starke Bindung: Heimatland, schwächer: Gastland, globale Standorte)
    Zurückhaltende (The Reserved) (schwächere Verknüpfungen: Gastland, ursprüngliches Heimatland, globale Standorte)


In den Jahren 2012 bis 2017 führte sie mehr als 300 Interviews in Großbritannien, Schweden, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Armenien, Belgien, dem Kosovo und der Schweiz. Ihre Studie untersucht konfliktgenerierte Diasporas, die mit den De-facto-Staaten (ursprünglichen Heimatländern) Kosovo, Berg-Karabach und Palästina in unterschiedlichen Stadien der Anerkennung verbunden sind. Ganz nebenbei integriert diese Arbeit auch das Studium fragiler Staatlichkeit mit dem der Inkorporation und des Transnationalismus von Migrant*innen.

Bei der Durchsicht der Literatur will sie eine dichotome Sichtweise auf Diasporas als entweder "Friedensstifter" oder "Friedenszerstörer" überwinden. Ein verengter Blick der Forscher scheint dafür ursächlich zu sein. Die Zugehörigkeit der Akteure zu transnationalen, globalen Kontexten ist hier entscheidend.
 

Diasporas mobilisieren nicht nur im Gastland, sondern auch online, in Städten, Flüchtlingslagern, supranationalen Organisationen, an Orten globaler Sichtbarkeit und in Räumen, die an das Heimatland angrenzen oder von ihm entfernt sind.


Koinova ist überzeugt, dass "ein tiefes Eintauchen in die individuelle Dimension von Diaspora-Akteuren fehlt", und ihre Studie unternimmt große Schritte in diese Richtung. Es ist interessanterweise diese individuelle Dimension, die schließlich die globalen Neigungen enthüllt.

Maria Koinova hat einen neuartigen Zugang zu diesem Thema geschaffen: das erste Buch, "das die individuelle Handlungsfähigkeit von Diaspora-Unternehmern aus einer sozialräumlichen Perspektive theoretisiert, indem es die Verbindungen zu globalen Kontexten gegenüber persönlichen Eigenschaften in den Vordergrund stellt".


Governing Transit and Irregular Migration: Formal Policies and Informal Practices

Internationaler Workshop
Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research (KHK/GCR21)
Universität Duisburg-Essen
8–9 November, 2021

Co-organisiert von Prof. Maria Koinova (Professorin für Internationale Beziehungen, PAIS, University of Warwick/Associate Senior Fellow, KHK/GCR21) und Prof. Volker Heins (Professor für Politikwissenschaft, Universität Duisburg-Essen, Senior Researcher, KHK/GCR21)

Call for Papers, Volltext, pdf


Aus der Workshop-Skizze

Dieser Workshop zielt darauf ab, Debatten über Transit und irreguläre Migration jenseits von Mobilität, Versicherheitlichung und Kritik an eurozentrischen Perspektiven zu führen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erfassung des Konglomerats aus formellen Politiken und informellen Praktiken, die nebeneinander bestehen und Governance-Architekturen bilden. In der Wissenschaft wird oft zu sehr auf die offizielle Politik von Regierungen, internationalen Organisationen und neuerdings auch NGOs geschaut, nicht aber auf die informellen Praktiken des Regierens, die durch oder gemeinsam mit nichtstaatlichen Akteuren entstehen. Da Transit und irreguläre Migration in vielen Teilen der Welt stattfindet, in denen staatliche Institutionen schwach und Korruption weit verbreitet sind, kann die tatsächliche Governance eine offene und informelle Duldung auch von nicht-staatlichen Akteuren beinhalten.

Der Workshop wird an zwei Tagen, am 8. und 9. November 2021, durchgeführt. Derzeit ist geplant, dass er vor Ort am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research in Duisburg stattfindet, mit der Option für eine Online-Teilnahme, falls erforderlich. Der aktuelle Plan für ein Blended-Delivery-Format würde es auch ermöglichen, den Workshop in ein Online-Format umzuwandeln, sollte die Pandemie-Situation dies erfordern.

Die Professoren Koinova und Heins planen, die Beiträge dieses Workshops in einer Special Issue zu veröffentlichen.

Bitte senden Sie Abstracts Ihrer Beiträge bis zum 5. September 2021 an die Organisatoren unter m.koinova@warwick.ac.uk und volker.heins@uni-due.de. Die Entscheidung über die Teilnahme wird bis zum 10. September 2021 getroffen.