Neu am Centre for Global Cooperation Research: Professor Lauren Eastwood

Senior Researcher und Convener Climate Change and Sustainability

Das Kolleg möchte Professor Lauren Eastwood herzlich willkommen heißen, die seit dem 3. Mai als Senior Researcher sowie als Convener für das  Politikfeld Climate Change und Sustainability zu unserem Team gehört. Sie wird bis zum Ende der aktuellen Förderperiode im Januar 2024 bei uns sein. Professor Eastwood bringt einen großen Erfahrungsschatz und einen Fokus darauf mit, wie globale Kooperation bei der Gestaltung von Umweltpolitik unter der Schirmherrschaft der UN erreicht wird. Durch die Überschneidung der Mandate unserer beiden Forschungsgruppen wird Professor Eastwoods Expertise dazu beitragen, den Fokus des Kollegs auf globale Kooperation im Bereich der Umweltpolitik und Nachhaltigkeit zu erweitern und auszubauen.

Laurens Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen institutionelle Ethnographie, Umweltsoziologie, Green Transitions/Degrowth und politische Ökologie. Ihr Streifzug durch die UNO begann 1998 mit Feldforschung im Palais des Nations in Genf, Schweiz. Im Laufe der Jahre hat sie ihr Engagement für die UN fortgesetzt, indem sie an politischen Sitzungen rund um den Globus teilgenommen und Forschungsstipendien in Japan und Australien absolviert hat. Während ihrer Zeit am Kolleg wird sie an einem Forschungsprojekt mit dem Titel "Global Environmental Governance in Practice: Ethnografische Ansätze zur Erforschung des Globalen' arbeiten.

Die Forschung innerhalb der UN bildete die Grundlage für ihre Dissertation und hat ihr Interesse daran geweckt, wie legitimierende Rahmenbedingungen, die Regierungen einsetzen, im Kontext des Engagements von nicht-staatlichen Teilnehmern an den politischen Prozessen angefochten oder ausgehebelt werden. Diese Rahmen haben viel damit zu tun, wie eine bestimmte Sprache in den aktuellen politischen Dokumenten eingesetzt wird, und können zum Verständnis der Positionierung von Schlüsselkomponenten sowie der Konsequenzen ihrer An- oder Abwesenheit beitragen.

In ihrem 2018 erschienenen Buch Negotiating the Environment: Civil Society, Globalisation and the UN (Routledge, UK), stützte sich Professor Eastwood auf 20 Jahre Erfahrung in der Beobachtung der politischen Entscheidungsprozesse der UN. Neben anderen Themen untersucht diese Arbeit die Art und Weise, wie nichtstaatliche Akteure ihren "Sitz am Tisch" im Prozess der Politikgestaltung erhalten, mit besonderem Schwerpunkt auf den partizipativen Sprachkonventionen, die verwendet werden, um ihren Stimmen Gehör zu verschaffen.

Die Teilnehmer der Zivilgesellschaft bringen unterschiedliche Interessen an den Tisch und betonen oft, dass sie in den Räumen der globalen Umweltpolitik präsent sein müssen, um die Legitimität der Menschenrechte, des traditionellen Wissens, der Alternativen zur neoliberalen Kommerzialisierung der Natur und der fortgesetzten Beteiligung nichtstaatlicher Akteure an regierungsbasierten Institutionen durchzusetzen.

Die Beobachtungen bei der UNO wurden von der Methodik der institutionellen Ethnografie geprägt, die, wie Professor Eastwood erklärt, "darauf abzielt, von der Alltagswelt der Menschen in einem bestimmten Umfeld auszugehen, aber auch in der Lage zu sein, etwas darüber zu sagen, wie die Arbeit der Menschen in diesem Umfeld durch außer- oder überlokale soziale Beziehungen organisiert ist". Indem man tatsächliche Praktiker beobachtet, die an der Gestaltung von Politik beteiligt sind, kann man Einblicke in ihr differenziertes Arbeitswissen gewinnen, das sie im Laufe der Zeit in einem bestimmten Umfeld aufgebaut haben. Die institutionelle Ethnografie nimmt auch die Literatur ernst, die das größere Terrain jener Faktoren untersucht, die organisieren, was in einem bestimmten Umfeld erreicht werden kann und was nicht. Es gibt größere Diskurse und Ideen, die für Global Governance grundlegend sind", so Eastwood, "es passiert nicht einfach so, ohne dass tatsächliche Menschen in Praktiken involviert sind, die Global Governance ermöglichen oder anfechten".

Kurz nachdem sie dem Team beigetreten war, diskutierte Professor Eastwood mit Professor Dale Jamieson, der kürzlich die 41. Käte Hamburger Lecture gehalten hat und versuchte, die Diskussion in Richtung einer Bewertung der Art und Weise zu lenken, in der Umweltpolitik unter demokratischer Regierungsführung tief mit den dominanten wirtschaftlichen Belangen des kapitalistischen Systems verwoben ist. "Wir können diese Sackgassen so verstehen, dass es nicht nur um eine Art Zynismus oder Eigeninteresse geht, sondern auch um die Tatsache, dass es sehr reale Wege gibt, auf denen Regierungen ihrem Wirtschaftssystem verpflichtet sind". Das ideologische Denken, das hinter der Assoziation von Demokratie und Kapitalismus steht, muss daher problematisiert und untersucht werden, um zu verstehen, was tatsächlich durch Verhandlungen und Politikgestaltung erreicht werden kann.

Die Idee der "konzeptionellen Währung" bildet ebenfalls einen wichtigen Teil der ethnografisch geprägten Beobachtungen in Professor Eastwoods Arbeit. Der Begriff bezieht sich auf die Tatsache, dass die Teilnehmer an politischen Prozessen dazu neigen, sehr genau zu wissen, welche Art von Sprache verwendet werden muss, damit ihre Interessen in die Debatten und Beratungen einfließen können.

Den Diskurs der 'Partizipation' oder 'Transparenz' aufzugreifen und ihn an tatsächliche Entscheidungen zu binden, die zuvor im Konsens in den Beratungen vereinbart wurden, ist ein wirklich strategischer Weg, um Zugang zu gewinnen und Einfluss am Tisch der politischen Entscheidungsträger geltend zu machen.

Wir freuen uns auf den besonderen wissenschaftlichen Ansatz, den Professor Eastwood zur Forschung am Kolleg und zur Erweiterung und Verfeinerung der Politikfelder beitragen wird, denen wir kritische Aufmerksamkeit schenken.


Andrew Costigan