Neues von der Midterm-Konferenz Tag zwei

Narrative globaler Zusammenarbeit und antiglobalistische Konzepte

Die Halbzeitkonferenz des Kollegs, "New Avenues of Global Cooperation Research", wurde am 16. November 2021 in einem hybriden Format im Hüttenmagazin im Duisburger Landschaftspark Nord fortgesetzt und durch Online-Kommunikation mit verschiedenen Wissenschaftlern aus der ganzen Welt erweitert. Am zweiten Tag wurden in vier Panels anregende Diskussionen über friedensfördernde Interventionen, Migration Governance, Narrative globaler Kooperation und antiglobalistische Konzepte geführt. Im Folgenden gehen wir auf zwei dieser Panels näher ein.

Ein gedankenreiches Panel über Narrative der globalen Zusammenarbeit wurde von Nina Schneider und Frank Gadinger moderiert. Dieser Roundtable untersuchte unterschiedliche Verständnisse von Narrativen, ihre Anwendung in der Forschung und die politische Dimension von Narrativen in der globalen Zusammenarbeit. Stefan Groth ging zunächst auf die Fragen der Moderatoren ein und erläuterte, dass er ein volkskundliches Verständnis von Narrativen anwendet dem zufolge diese die kollektive Lebenswelt prägen. Er argumentierte weiter, dass Erzählungen mit Blick auf ein Publikum erzählt werden. In internationalen Verhandlungen beispielsweise werden Sprichwörter verwendet, um eine bestimmte Funktion zu erfüllen, Emotionen hervorzurufen oder die Komplexität zu durchbrechen. Groth kam zu dem Schluss, dass soziale Rollen berücksichtigt werden müssen, um zu verstehen, warum einige Erzählungen andere überlagern und ihre Mobilität einschränken können.

Wouter Werner bot eine Perspektive auf Narrative aus der Sicht des Völkerrechts. Er stellte fest, dass für die Konstruktion von Gesetzen ein Anfang zu einer bestimmten Geschichte konstruiert werden muss, so dass die Schaffung einer sozialen Organisation mit der Ausübung von Autorität einhergeht. Im Völkerrecht bedeutet die Sicherung der Urheberschaft am Anfang daher, dass die Erzählung als Grundlage für die Prozesse konzipiert wird. Eine Gefahr dieses Prozesses besteht jedoch darin, dass lokale Narrative durch globale Narrative der Gerechtigkeit überholt werden können.

Martina Kopf beleuchtete die Narrative aus der Perspektive der Afrikastudien, indem sie die Entwicklungsperspektiven hinterfragte und zur Diskussion stellte, ob die Literatur aus Afrika eine Grundlage für alternative Erklärungs- oder Untersuchungsmodi von Entwicklungsnarrativen anbieten könne. Sie führte aus, dass die Geschichte der neoliberalen Globalisierung nicht mit gescheiterten Staaten, sondern mit den afrikanischen Errungenschaften der 1960er Jahre beginnt. Sie fordert daher dazu auf, darüber nachzudenken, wie und von wem das Globale genutzt wird und wie dies die Erzählungen über globale Gerechtigkeit lenkt.

Zsuzsanna Török schloss das Panel mit der Feststellung, dass ein einziger Text eine Vielzahl von Perspektiven bieten kann. Sie argumentierte, dass das Wissensformat relevant ist und dass Erzählungen und Geschichten aus dem Lokalen im Gegensatz zu statistischem Wissen stehen können, um Exklusivismus und das Verstummen des Anderen zu vermeiden.


Die Konferenz wurde fortgesetzt mit einer Diskussion über antiglobalistische Konzepte der Weltordnung zwischen Rechten und Linken. Dieser Roundtable wurde von Christine Unrau und Katja Freistein moderiert, die den Podiumsteilnehmer*innen die provokante Frage stellten: "Was ist falsch am Globalen?" Rita Abrahamsen konstatierte eine Verherrlichung der Kernfamilie durch globale rechte Bewegungen, eine Konstellation, die darauf abzielt, UN-Menschenrechtserklärungen und die offenere Auslegung von Rechten, wie z. B. in Bezug auf LGBTQIA+ Personen und Abtreibung, zu untergraben. Sie vertrat die Ansicht, dass die kreative Kraft der Rechten bei der Schaffung von Institutionen und Netzwerken nicht unterschätzt werden sollte.

Nicole Doerr setzte das Panel mit einem Schwerpunkt auf Bewegungen für soziale Gerechtigkeit im Hinblick auf Klimagerechtigkeit fort. Sie erläuterte ihre jüngsten Forschungen über Klimaproteste in Deutschland, bei denen sie feststellte, dass indigene Geschichten von Demonstranten von außen nacherzählt werden. Sie führte weiter aus, dass die Übersetzung in dieser Hinsicht immer politisch ist und dass die Interpretationen der Realität durch führende Persönlichkeiten der Rechten tendenziell radikaler sind.

Geoffrey Pleyers vertrat die Ansicht, dass die heute angewandte globale Perspektive immer noch diejenige ist, die in den 1990er Jahren entwickelt wurde. Er forderte die Zuhörer auf, darüber nachzudenken, "wie global" der Diskurs damals war, und stellte fest, dass viele globale Bewegungen in Wirklichkeit aus indigenen Bewegungen hervorgegangen sind, was zu einer Entwicklung hin zu einem pluralistischen Verständnis des Globalen geführt hat.

Michael Williams schloss die Gesprächsrunde mit einem Einblick in seine Forschung über die dunkle Seite der Zusammenarbeit. Er erläuterte, dass die Bewegungen der Neuen Rechten einen religiös-traditionalistischen Schwerpunkt haben und dass sie nicht einem einzelnen Akteur folgen, sondern einer Bewegung, die gleichzeitig amerikafokussiert und auf der Suche nach globaler Ausstrahlung ist. Er argumentiert, dass die liberale akademische Welt dazu neigt, rechte Bewegungen durch die Linse des Exotismus zu betrachten und die Mitglieder dieser Bewegungen als "Zurückgebliebene" zu bezeichnen. Dies zeuge von einer alarmierend engen Sichtweise auf die komplexe Konstellation der rechten Kräfte.


Jasmin Schmitz