Politics of Scale, Beiträge von Maren Hofius und Patricia Rinck

Im Herbst 2020 organisierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hamburg gemeinsam mit dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH), dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) einen Online-Workshop zur Nutzung des Konzepts "Politics of Scale" für politikwissenschaftliche Studien. Eine Reihe von Workshop-Beiträgen wurde nun auf dem Blog der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) veröffentlicht: www.dvpw.de/blog/.

In ihrem Einführungsbeitrag erläutern André Bank, Riccarda Flemmer, Regina Heller, KHK Senior Research Fellow Maren Hofius, Hanna Pfeifer und Jan Wilkens, warum es sich für die deutsche Politikwissenschaft lohnt, sich mit dem Konzept der Politik des Maßstabs ('politics of scale') näher zu befassen. Das Konzept ist geeignet, die Verwendung von analytischen Kategorien wie "Raum", "Ort" oder "Ebenen" zu problematisieren, deren implizite Annahmen über räumliche Hierarchien oft unbemerkt bleiben. Das Konzept der "Politik des Maßstabs" versucht, diese "versteckten Geographien" (Agnew 1995: 379) offenzulegen, indem es die soziale Konstruiertheit des Raums betont und in den Vordergrund stellt, wie z.B. die Aufteilung des Raums in das "Lokale" und das "Globale" eine potente Praxis ist, die an der Produktion und Reproduktion globaler Hierarchien beteiligt ist. In ihrem Beitrag zeigt Anne Menzel auf, dass räumliche Zuschreibungen etwa des "Lokalen" in der Entwicklungszusammenarbeit nicht ohne Folgen bleiben, wenn es um „andersartige“ Akteur*innen im Globalen Süden geht, deren Eigenschaften und Probleme sich zudem grundlegend von denen im Globalen Norden unterscheiden sollen. Ein instruktives Beispiel liefert die Ausweitung des agroindustriellen Ölpalmenanbaus in Indonesien. Alina Brad, Riccarda Flemmer und Jonas Hein zeigen, wie räumliche Restrukturierung die Landrechte lokaler Bevölkerungsgruppen einschränken können. Zugleich entstehen neue transnationale Verhandlungs- und Bedeutungsebenen für diese indigenen Gruppen, die lokale und nationale Dimensionen (scale jumping) überspringen, indem sie sich auf Regeln transnationaler Zertifizierungssysteme beziehen bzw. diese einfordern.  Patricia Rinck, Forschungsgruppenleiterin am Kolleg, geht in ihrem Beitrag der Frage nach, welchen Nutzen das politics of scale-Konzept für die Interventionsforschung haben könnte. Sie zeigt anhand eines Vergleichs der Interventionen in Bougainville und Sierra Leone auf, dass die Konstruktion bestimmter Maßstabsebenen (scales) als Ort einer Intervention wichtige Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Intervention sowie den Post-Konflikt-Transformationsprozess insgesamt haben kann.

Die Politik des Maßstabs ist eng mit der Politik der Grenze verbunden, denn die Schaffung von Raum hängt von der sozialen Konstruktion von Grenzen ab.

Das Kolleg veranstaltet am 18-19 March 2021 den Online Workshop Transnational Boundaries in Practice: Thwarting or Enabling Global Cooperation, organisiert von Senior Research Fellow Maren Hofius und Matthias Kranke (University of Kassel).

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