Verleihung der Venia Legendi an Forschungsgruppenleiterin Nina Schneider

Das Käte Hamburger Kolleg freut sich mitteilen zu können, dass Dr. Nina Schneider das Habilitationsverfahren an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen erfolgreich abgeschlossen hat. Mit der Verleihung des Titels "Privatdozentin" erhält Frau Dr. Schneider die verdiente Anerkennung für ihre wissenschaftliche Expertise und Führungsqualitäten in ihrem Fachgebiet.

Dr. Schneider ist seit 2018 Forschungsgruppenleiterin am Kolleg, zunächst im Projekt "Globale Kooperation und polyzentrische Governance", und seit kurzem in der neu gegründeten Gruppe "Legitimation und Delegitimation". Sie hat zahlreiche Beiträge zu diesen Projekten geleistet, die die modernen Dynamiken komplex verwobener globaler Systeme und Organisationen zu beleuchten versuchen.
Für den schriftlichen Teil der Habilitation reichte Frau Dr. Schneider ihre Habilitation Global Child Labour Opponents in the Americas and their Campaigns in Global Perspective, 1888-1938 ein, die einen Aspekt eines größeren, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts darstellt. Das Projekt befasst sich mit einem Thema, das sich am Forschungsauftrag des Kollegs orientiert, aber auch für die Menschenrechte im globalen Maßstab relevant ist. Die Studie provoziert eine Problematisierung des historischen Kampfes gegen Kinderarbeit für das moderne Klima gesellschaftspolitischer Verflechtung. Dr. Schneider kombiniert eine biografische Perspektive mit einem globalhistorischen Ansatz, indem sie von der narrativen Analyse spezifischer Akteure zu den breiteren internationalen und historischen Kontexten übergeht, die zu dem globalen Ziel der Abschaffung der Kinderarbeit an sich führten.
 

Bislang sind historische Studien zur globalen Zusammenarbeit rar gesät. Mein Projekt versucht, diese Lücke zu schließen und die Forschung des Zentrums thematisch, empirisch und methodisch voranzubringen. Das Studium des globalen Widerstands gegen Kinderarbeit - so hoffe ich - kann helfen, Optimismus zu verbreiten; Kinderarbeit wurde in der Vergangenheit erfolgreich bekämpft, wenn auch nur teilweise und auch wenn es lange gedauert hat.

Für den mündlichen Teil der Habilitation hielt Dr. Schneider einen Vortrag zum Thema Joseph Arthur de Gobineaus Essay über die Ungleichheit der menschlichen Rassen (1853–55). Mit dem Ziel, unterschiedliche Lesarten dieses umstrittenen und rassistisch aufgeladenen Werkes zu identifizieren, zu systematisieren und zu diskutieren, fragt Schneider: Welche Bedeutung wurde Gobineaus Essay im Laufe der Zeit zugeschrieben, und was sind die zentralen Debatten in der Forschung?
 

Gobineau, sein Werk und vor allem seine Rezeption sind komplexer und paradoxer als man denkt. Ich habe versucht, das vereinfachte Bild von Gobineau zu korrigieren oder zu nuancieren und gleichzeitig übertriebene Versuche seiner Rehabilitierung zu problematisieren.

Diese nuancierte Analyse der differenzierten Anwendung von Gobineaus Essay schwingt mit in der gemischten narrativen und theoretischen Methodik der Forschungsgruppe "Legitimation und Delegitimation". Dr. Schneider plant, Aufsätze zu diesem Thema beizusteuern, einschließlich der Legitimation rassischer Ungleichheit (und des Rassismus selbst) aus der Perspektive der Globalgeschichte, der damit verbundenen Geschichte und dem besonderen Fall der späteren Aneignungen von Gobineaus Werk.
Nach Abschluss des erfolgreiche Habilitationsverfahrens unterrichtet Frau Dr. Schneider seit dem Sommersemester 2021 an der Universität Duisburg-Essen. Ihre erste Lehrveranstaltung hat das Thema "Einführung in die Public History: Definitionen, Debatten und Beispiele".