Forschungsbereich 2

Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation

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Kultur und Kooperation – Die Erforschung eines komplexen Verhältnisses

Der Forschungsbereich 2 – "Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation" – befasst sich mit der Frage, wie kulturelle und religiöse Überzeugungen und Weltbilder globale Kooperation beeinflussen. Sprache und Terminologie der globalen Kooperation sind nicht neutral, sondern kulturell grundiert. Eines der Ziele des Forschungsbereichs ist es, die kulturellen Bedeutungen zu untersuchen, die verschiedenen Narrativen und Praktiken von Kooperation zu Grunde liegen. Dazu analysieren wir: 1. Situationen, in denen globale und transnationale Konflikte sich als schwer lösbar erweisen, weil sie als "kulturell" interpretiert und erfahren werden; sowie 2. die Voraussetzungen für erfolgreiche transkulturelle Kooperation. Unsere empirisch fundierte Grundannahme ist, dass Kultur konfliktverschärfend, aber auch als Ressource für Konfliktlösung und Kooperation wirken kann.

Kultur steht offenbar in einer uneindeutigen Beziehung zum Phänomen der Kooperation. Häufig wird sie als ein verbindendes Element unter Gleichgesinnten verstanden, als Basis eines unhinterfragten Sets von gemeinschaftsstiftenden Werten, Glaubensinhalten etc. Sie hilft uns, Gleichgesinnte zu identifizieren und mit ihnen zu kooperieren. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass kulturelle Verschiedenheit ebenfalls eine Grundlage für oder Ansporn zu Kooperation sein kann. Um das von unserem Forschungsbereich bearbeitete Feld zu erfassen, schlagen wir vor, Kooperationsversuche in Politik und Gesellschaft anhand zweier Gegensatzpaare zu beschreiben: erfolgreich vs. gescheitert; normativ wünschenswert vs. normativ abzulehnen. Die Position von Kultur innerhalb dieser Gegensatzpaare ist nicht unmittelbar ersichtlich.

Wie jede andere Art stabiler sozialer Interaktion erfordert Kooperation in der Tat ein gewisses Maß moralischer und affektiver Unterfütterung, was wir als "thin culture" bezeichnen können. Akteure – seien es Individuen, Firmen, Staaten oder andere Einheiten – brauchen jedoch keine gemeinsame Moralität und kein gemeinsames kulturelles Weltbild, um in Kooperation einzutreten: aufgeklärtes Eigeninteresse ist genug. Die Geschichte ist voll von Beispielen dafür.

Allerdings kann eine gemeinsame Kultur, wenn auch keine Voraussetzung, so durchaus ein unterstützender Faktor für erfolgreiche Kooperation sein. Es genügt, an internationale Terrororganisationen oder andere kriminelle Gruppen zu erinnern, deren Zusammenhalt auf Ideologien oder der Konzentration auf die Kernfamilie ("amoral familism") beruht. Die "Dichte" einer gemeinsamen Kultur nützt Kooperationsbemühungen unter Gleichgesinnten, aber nicht mit anderen. Starke Vorstellungen von Kultur können daher die normative Qualität der Kooperationsergebnisse negativ beeinflussen. Damit Kooperation erfolgreich und normativ wünschenswert ist, kann es notwendig sein, dass die, die sie anstreben, jegliche Vorstellungen einer "dichten" gemeinsamen Kultur transzendieren oder ausklammern.

Die Frage ist: Was führt zu dieser Form des selbstreflexiven "Ausklammerns" von Kultur? Möglicherweise ist der Wunsch, kooperative Lösungen für drängende globale Probleme zu finden das Produkt eines gesellschaftlichen Lernprozesses. Oder es könnte sein, dass situationsbedingte Zwänge Akteure zur Kooperation zwingen. Unter bestimmten Umständen kann erfolgreiche und lang anhaltende Kooperation zwischen Akteuren ohne eine gemeinsame Kultur letztlich zur Schaffung einer solchen führen.

Die übergeordneten Forschungsthemen, zu denen die verschiedenen im Forschungsbereich durchgeführten Projekte beitragen, sind:

  • Kooperation als kulturelle Praxis
  • Kulturen globaler Hilfe und das Paradigma der Gabe
  • Transitional Justice
  • Minderheiten, Diasporen und Migration
  • Regionale Integration