Forschungsbereich 3

Global Governance Revisited

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Welchen Einfluss hat eine wachsende Heterogenität von politischen und professionellen Kulturen auf Global Governance?

Global Governance-Forschung ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld. Es überwindet klassische zwischenstaatliche Ansätze in den Internationalen Beziehungen durch die Anerkennung der  tiefgreifenden Auswirkungen der Globalisierung in fast allen Politikfeldern und die wachsende Bedeutung von internationalen Organisationen, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsakteuren. Das Feld macht Anleihen von der Regierungsforschung auf niedrigen  Analyseebenen und bringt Einsichten aus der Regimeanalyse, aus dem globalen Verwaltungsrecht sowie aus der Forschung über die wachsende Komplexität von Staat-Gesellschaft-Beziehungen zusammen. Aus der Governance-Perspektive beschränkt sich politische Steuerung nicht auf statische/hierarchische Formen der Kontrollausübung. In der heutigen Welt verschwimmen zunehmend sowohl die Unterscheidung von Staat-Gesellschaft wie auch von innerstaatlich-auswärtig.

Aus diesem Blickwinkel stellen sich wichtige analytische und normative Fragen. Wenn traditionelle/zwischenstaatliche Ansätze inadäquat sind, um globale Politik zu verstehen, ist es auf analytischer Ebene wichtig, sowohl zu untersuchen, wie die Welt in Abwesenheit einer Weltregierung regiert wird, als auch die sich herausbildenden Regierungsmuster zu erklären. Normativ ist es unerlässlich zu fragen, welche Normen, Regeln und Institutionen notwendig sind, um aktuelle und zukünftige globale Herausforderungen adäquat anzugehen.

Der Forschungsbereich geht diesen Fragen durch eine kritische Neubetrachtung von Global Governance nach. Besondere Aufmerksamkeit wird auf zwei Forschungsgebiete gelegt: die Inklusion von nicht-westlichen Perspektiven auf Weltordnung und die Implikationen einer Diversifizierung von politischen und professionellen Kulturen für internationale Verhandlungen. Die meisten führenden Theoretiker stammen aus OECD-Staaten und viele Beobachter haben – zumindest implizit – künftige Entwicklungen auf Grundlage der bisherigen Dominanz der OECD-Welt vorhergesagt. Angesichts des Endes der westlichen Hegemonie ist es notwendig, sowohl die Bedeutung der nicht-westlichen Welt anzuerkennen, als auch das Repertoire an Ideen und Erkenntnissen, die sie bietet, zu berücksichtigen. Zudem kann generell beobachtet werden, dass nicht-staatliche Akteure – von der Zivilgesellschaft bis zur Wirtschaft – zunehmend an Verhandlungs- und Implementierungsarrangements internationaler Übereinkommen beteiligt sind. Dies kann sich auf das diplomatische Verhalten der verschiedenen nicht-staatlichen Akteursgruppen und ihre Organisationskulturen auswirken.

Um jegliche essentialistische Kulturvorstellungen zu vermeiden, ist es entscheidend/unerlässlich, die Wechselwirkungen von politischen und professionellen Kulturen sowie die sich herausbildenden Muster transnationaler Interaktion und rechtlicher Pluralität gründlich zu analysieren. Der Forschungsbereich 3 fragt folglich, welche Auswirkung eine wachsende Heterogenität von politischen und professionellen Kulturen auf Global Governance hat und umgekehrt. Empirisch werden drei Politikfelder in diesem Forschungsbereich besonders berücksichtigt: Klimawandel, die globale Finanzkrise sowie die Spannungen zwischen Souveränität und Intervention.

Der Forschungsbereich ist dabei im ständigen Austausch mit den anderen drei Forschungsbereichen.  Die Überprüfung des bestehenden Wissens über Global Governance wird in Zusammenarbeit mit FB 1, der sich in einem weitgefächerten Rahmen mit den Grundlagen von Kooperation beschäftigt, durchgeführt. Des Weiteren trägt der Forschungsbereich zur Analyse globaler, kultureller Konflikte und transkultureller Kooperation im FB 2 bei und nutzt dessen geisteswissenschaftliche Einsichten in transkulturelle Interaktion. Mit dem FB 4 teilt der Bereich das Ziel, die Implikationen von politischer Kultur anwendungsorientiert zu untersuchen sowie die Problematik von Legitimität und Perspektiven einer Demokratisierung von Governance.

Zusammenfassend hat der Forschungsbereich „Global Governance Revisited“ das Ziel, unser Wissen in der Global Governance-Forschung in Anbetracht von globalen und systemischen Risiken, kulturellen Differenzierungen und dem Aufstieg neuer mächtiger Akteure in der Weltpolitik anzupassen und zu erweitern.