Blurring Global Epistemic Boundaries: The Emergence of Traditional Knowledge in Environmental Governance

Andrés López-Rivera

Global Cooperation Research Papers 25, Duisburg 2020

Stichwörter: Boundary blurring; Traditional knowledge; Indigenous peoples; Global
environmental governance

DOI: 10.14282/2198-0411-GCRP-25

Abstract

Im Gefolge des Erdgipfels von Rio de Janeiro 1992 wurde "traditionelles Wissen" zu einem wiederkehrenden Thema in der globalen Umweltpolitik. Das Aufkommen von traditionellem Wissen in einem von globaler Wissenschaft geprägten Governance-Bereich wirft folgende Frage auf: Wie kommt es, dass eine bestimmte Gruppe von intellektuellen Aktivitäten, die nicht der Wissenschaft angehören, als eine Form von Wissen wahrgenommen wurde, dessen Eigenschaften für die Steuerung der globalen Umwelt wertvoll sind? Das vorliegende Papier versucht, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen, indem es die Entstehung der Kategorie des traditionellen Wissens in der globalen Umweltpolitik nachzeichnet. Das Hauptargument ist, dass traditionelles Wissen als eine kognitive Ressource mit nützlichen und "glokalen" Eigenschaften aufgefasst wurde, und zwar durch eine Reihe von Interventionen seitens öffentlicher Wissenschaftler und durch wegweisende Umweltberichte, die die Grenzen zwischen Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft verwischten. Aufbauend auf dem Konzept der Bearbeitung von Grenzen ("boundary work") in den Wissenschafts- und Technologiestudien wird in diesem Beitrag das Konzept der Grenzverwischung ("boundary blurring") vorgestellt, um zu analysieren, wie Aspekte der Wissenschaft dem traditionellen Wissen zugeschrieben werden, wodurch die Abgrenzung zwischen Wissenschaft und anderen Formen des Wissens abgeschwächt wird. Die Grenzverwischung funktioniert als eine Form der Legitimation von traditionellem Wissen und eröffnet durch die Zuschreibung von Wissen an nichtwissenschaftliche Akteure einen Raum, in dem diese Wissensansprüche in Global-Governance-Prozessen geltend machen können. Letztlich wirft die Analyse Licht auf die Konstitution unkonventioneller "Wissensakteure" in Global Governance, insbesondere auf indigene Völker und lokale Gemeinschaften.

Der Autor

Andrés López-Rivera ist Doktorand an der International Max Planck Research School über die soziale und politische Verfassung der Wirtschaft. Seine Forschungsschwerpunkte sind transnationale Governance, internationale politische Soziologie und epistemische Autorität. Eine seiner jüngsten Veröffentlichungen ist Chronicle of a Schism Foretold: The State and Transnational Activism in Ecuador’s Yasuní-ITT Initiative (2017).


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