Involvement and Impact of External Actors on Constitution Making in South Sudan and Somaliland: A Comparative Study

Katrin Seidel

Global Cooperation Research Papers 18, Duisburg 2017

Stichwörter: Constitution making, Rule of Law, South Sudan, Somaliland

DOI: 10.14282/2198-0411-GCRP-18

​​​​​​​Abstract

Die Studie untersucht die Wirkungen unterschiedlicher Formen und Ausmaße internationalisierter Verfassungsprozesse auf Ideen von Staatlichkeit und der Legitimität einer Verfassung. Im Vergleich der Fallbeispiele Südsudan und Somaliland werden gegensätzliche Muster internationaler Beteiligung an verfassungsgebenden Prozessen analysiert. Südsudan stellt dabei ein "Extrem" mit massiver internationaler Intervention dar, wohingegen es sich bei Somaliland um das andere "Extrem" handelt. Dieses Paper verdeutlicht einerseits, dass der tatsächliche Prozess eine entscheidende Rolle spielt, und verstärkt andererseits die Skepsis hinsichtlich der Art und Weise wie internationalisierte verfassungsgebende Prozesse in kriegszerrütteten Kontexten durchgeführt werden. 
Die Studie weist darauf hin, dass ein lokal angetriebener und eigener Prozess die Schaffung einer legitimen Verfassung begünstigt, ohne internationale Unterstützung generell abzulehnen. Die bestehende Spannung zwischen local ownership und "externer Interventionen" kann produktiv sein, da es einen Verhandlungsraum bzgl. unterschiedlicher rechtlicher Vorstellungen eröffnet. Dies kann dazu beitragen, bestehende Exklusions- und Inklusionsdynamiken neu zu definieren, nicht zuletzt, da lokale Rechtstaatlichkeitsansätze jenseits der jeweiligen politischen Eliten nicht immer partizipativ (bzgl. Frauen, zivilgesellschaftlichen Akteuren, Minderheiten etc.) sind. 
Um jedoch zu vermeiden, dass diese Spannungen aufgrund aufgezwungener Unterstützung unverhandelbar werden und lediglich dazu führen, dass externe Modelle entlang interner Machtverhältnisse abgelehnt oder manipuliert werden, muss der Prozess in einer offenen Art und Weise von den lokalen Akteuren selbst gestaltet werden. Nur ein lokal-basiertes Vorgehen kann berücksichtigen, dass Rechtstaatlichkeit durch spezifische plurale Akteurskonstellationen und Praktiken strukturiert und dadurch kontinuierlich durch Verhandlungen transformiert wird.

Die Autorin

Katrin Seidel ist Post-Doc Fellow in der Abteilung Recht und Ethnologie des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle, Deutschland, und war 2015/16 Fellow am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research. Durch ihren interdisziplinären Hintergrund (Recht und Afrika- sowie Asienwissenschaften) liegt ihre Forschung an der Schnittstelle von Rechtspluralismus, heterogener Staatlichkeit und Governance. Ihre Studien beschäftigen sich mit den voneinander abhängigen Beziehungen zwischen pluralen normativen und justiziellen Ordnungen auf unterschiedlichen Ebenen der Regulierung sowie mit den Interaktionen zwischen den sozialen Akteuren, die in diese Prozesse eingebunden sind. Das Augenmerk ihrer aktuellen Forschung liegt auf der Genese der Verfassungen in Südsudan und Somaliland durch eine vergleichende Analyse von Verfassungsprozessen in Postkonfliktsituationen ('South Sudan's and Somaliland's Constitutional Geneses: A Comparative Analysis of Post-conflict Constitution-Making Processes in Context').

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