The Behavioural Dimensions of International Cooperation

Dirk Messner, Alejandro Guarín, and Daniel Haun

Global Cooperation Research Papers 1, Duisburg 2013

Stichwörter: Global Cooperation, human behaviour, reciprocity, evolution, trust, international relations, climate change, commons, G-20

Abstract

Internationale Kooperation zur Bewältigung komplexer gemeinsamer Ressourcenprobleme wie dem Klimawandel ist extrem schwer zu erreichen. Auch wenn ein breiter Konsens über die Art und Weise des Problems herrscht und auch darüber, was zur Lösung des Problems erforderlich ist, blockieren einige Staaten immer noch jegliche sinnvolle Maßnahme zur Problemlösung.
Diese Kooperationskrise ist angesichts neuester Erkenntnisse über die überraschend kooperative Disposition des Menschen verblüffend. Die natur- und sozialwissenschaftliche Forschung weist auf eine eindeutige Schlussfolgerung hin: Menschen kooperieren gerne und zu jeder Zeit. Dieses Bild steht im Widerspruch zu gebräuchlichen Annahmen über den Menschen als kurzsichtiges und rein auf das eigene Interesse bedachte Wesen und legt die Frage nahe, welche wir in diesem Papier adressieren: Warum ist internationale Kooperation so schwer zu erreichen, wenn wir doch so gut darin sind, auf zwischenmenschlicher Ebene zu kooperieren? Wir adressieren diese Frage in drei Schritten: Zunächst legen wir die aktuellen multidisziplinären Belege dar, die veranschaulichen, dass die Menschen kooperativer sind als rationale theoretische Modelle voraussagen und das dies wohl einer natürlich entwickelten Prädisposition zur Kooperation entstammt. Zweitens argumentieren wir, dass sieben grundlegende Mechanismen darüber entscheiden, ob Kooperation erfolgreich oder nachhaltig ist: Reziprozität, Vertrauen, Kommunikation, Reputation, Fairness, Durchsetzung und eine Wir-Identität. Wir platzieren diese Mechanismen in einem “ kooperativen Hexagon“, welches den gegenwärtigen Konsens darüber, was Kooperation möglich macht, zusammenfasst. Schlussendlich diskutieren wir die Bedeutung dieser Ergebnisse für globale Kooperation. Wir argumentieren, dass Machtspiele zur Erklärung gegenwärtiger internationaler Kooperationslockaden nicht ausreichen.
Eine neue, umfassende Theorie internationaler Kooperation muss mit den neuesten Erkenntnissen über die grundsätzlich kooperative Natur menschlichen Verhaltens kompatibel sein. Wir schlagen vor, die Entwicklung dieser Theorie aus drei Richtungen heraus anzugehen:  a) Ergründen, wie Kooperation von der zwischenmenschlichen zu größeren Skalen abläuft und wie sich die grundlegenden Mechanismen von Kooperation unter Bedingung neuartiger Komplexität und schnellem Wandel verhalten; b) Erforschung von Kooperation auf der “Mesoebene“ globalen Regierens  - also der relativ kleinen Gruppe von Menschen, welche ihre Nationen in internationalen Diskussionen und Institutionen vertreten – einer Schlüsselschnittstelle zwischen zwischenmenschlicher und inter-institutioneller Motivationen für Kooperation; und c: Untersuchen von Mustern internationaler Kooperation im Rahmen des kooperativen Hexagons, um festzustellen, ob die Blockaden von Kooperation auf internationaler Ebene Resultat eines Mangels an den grundlegenden Kooperationsmechanismen ist und inwiefern diese Mechanismen eingesetzt werden können, um bessere Institutionen für globales Regieren zu gestalten.

Die Autoren

Prof. Dirk Messner ist Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) und Co-Direktor des KHK/GCR21.

Dr. Alejandro Guarin is Forscher am DIE in Bonn, wo er zu den Beziehungen zwischen natürlichen Ressourcen und Entwicklung, dem Aufstieg einer neuen globalen Mittelschicht und den Grundlagen der menschlichen Zusammenarbeit arbeitet.

Dr. Daniel Haun leitet derzeit die Forschungsgruppe für Vergleichende Kognitive Anthropologie, ein gemeinsames Projekt des Max-Planck Instituts für Psycholinguistik und des Max-Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie, Nijmegen / Leipzig.

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