Käte Hamburger Lecture

Inequality – what can be done?

Essen - 28. Oktober 2015

Die 15. Käte Hamburger Lecture mit Sir Tony Atkinson, Professor der London School of Economics zum Thema “Inequality – what can be done?”, fand im Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen statt.

Die Reduktion von Ungleichheit ist seit langem ein Thema der politischen Agenda von staatlichen Akteuren. Die jüngste Annahme der Sustainable Development Goals durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 25. September akzentuiert den allgegenwärtigen Konsens dieser Zielsetzung besonders, da das 10. Ziel „die Verringerung von Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern“ darstellt. Während führende Nationen sich über die Bedeutung dieses Ziels einig sind, ist jedoch unklar, wie dies erreicht werden soll. Diesen Aspekt nahm Atkinson als Ausgangspunkt für seinen Vortrag und erklärte, dass die führenden Nationen ihre Komfortzone verlassen müssten, wenn sie es mit der Reduzierung von Ungleichheiten ernst meinen. Laut des angesehenen Ökonomen können wir mehr bewirken als Skeptiker sich vorstellen können. Atkinson ist seit langer Zeit an der Spitze der Forschung bezüglich Ungleichheiten und nutzt seine langjährige theoretische und praktische Erfahrung, um der Vielfältigkeit des Problems gerecht zu werden.

Ausgehend von seinem zuletzt erschienen Buch „Inequality: What can be done?“ präsentierte Atkinson einen Überblick über verschiedene Formen von Ungleichheit und stellte ausgeprägte Lösungsvorschläge für die diversen Probleme vor. Atkinson wies darauf hin, dass in erster Linie kein universeller Konsens über den Abbau von Ungleichheiten vorhanden ist, da viele mächtige Akteure involviert sind, die aber wenig oder gar kein Interesse haben den Status Quo zu ändern. Zweitens, auch wenn ein breiter Konsens zur Reduktion von Ungleichheiten beobachtet werden kann, gibt es sehr unterschiedliche Definitionen und Ansätze, um Ungleichheit zu bekämpfen. Unter den Diskutanten herrschte jedoch Einigkeit, dass gegenwärtige Ungleichheit ein Effekt der zunehmenden Globalisierung und des technologischen Fortschritts ist. So betonte Atkinson, dass solche Entwicklungen keine externen oder natürlichen Faktoren der menschlichen Evolution sind, sondern vor allem durch Entscheidungen geformt werden und somit politischer Natur sind. Atkinsons Anspruch ist die Demokratisierung solcher Entscheidungsprozesse – das heißt, die Beteiligung aller Akteure und die Re-integrierung von Entscheidungsprozessen in die öffentliche Politik. Atkinsons Vorschläge beinhalten unter anderem die Einführung von nationalen Wertpapieren für Kleinsparer sowie öffentliche Beschäftigungsprogramme ein. Um deutlich zu machen, dass seine Vorschläge nicht unkonventionell sind, präsentierte Atkinson vergangene Initiativen wie den US Humphrey-Hawkins Act von 1978, welche in die gleiche Richtung wiesen. Er betonte, dass es ist nicht seine Absicht sei eine Utopie zu beschreiben, sondern eine ernste Debatte anzukurbeln, um Ungleichheit zu reduzieren.

Bereichert wurde der Vortrag durch einen Kommentar von Wolfram Richter, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund. Die anschließende Diskussion mit dem Plenum wurde durch Prof. Claus Leggewie, Direktor des KWI und Co-Direktor des Käte Hamburger Kollegs, moderiert.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Käte Hamburger Kolleg und dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) organisiert.

Datum: 28.10.2015, 19:00-20:30h
Ort: KWI, Gartensaal, Goethestraße 31, 45128 Essen

Veranstaltungsbericht (en)