Käte Hamburger Lecture

Postcolonial Approaches Towards Global Cooperation

Stuttgart – 13. Juni 2016

In den jüngsten Diskussionen um Transitional Justice wurde das Interesse am Kosmopolitismus als ethno-politischer Imperativ und der Verpflichtung auf planetares Zusammeleben ("planetary conviviality") in einer postnationalen, globalisierten Welt wiederbelebt. Im Zuge wachsender globaler Interdependenzen verspricht das Projekt des Kosmopolitismus, eine transnationale Bürgerbewegung zu befördern, die das Potenzial besäße, die Errichtung demokratischer globaler Institutionen voranzutreiben. Die Figur des "Kosmopoliten" wurde prominent als Akteur im Sinne von globaler Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie. Im Kontext der gestiegenen transnationalen Mobilität von Kapital, Gütern, Menschen, Ideen und Bildern, scheinen Kosmopoliten enge territoriale Zugehörigkeiten zu überwinden zugunsten eines Zugehörigkeitsgefühls zur "Menschheit" als ganzer. Ein solch expansives Bewusstsein einer Weltbürgerschaft verfolgt als normatives Ideal schließlich "Solidarität über alle Grenzen hinweg".

Gegner eines liberalen Kosmopolitismus heben hingegen das "Schreckgespenst" des globalen Kapitals als notwendige Bedingung für das Aufkommen eines kosmopolitischen Empfindens hervor. Sie kritisieren, dass der Kosmopolitismus durch die Verwischung der Kontinuitätslinien zwischen Kosmopolitismus, Neo-Kolonialismus und ökonomischer Globalisierung letztlich die Privilegien der globalen Elite unberührt lässt. Dies stellt uns vor die Frage, wie der Kosmopolitismus vor dem Hintergrund einer postkolonialen Welt neu gedacht werden kann. Wie kann die Diskontinuität aufgelöst werden zwischen denen, die als Bereitsteller von Gerechtigkeit und Rechten angesehen werden und  jenen anderen, die als deren Empfänger gelten? In der 19. Käte Hamburger Lecture wird sich Prof. Dr. Nikita Dhawan kritisch mit Diskursen zu globaler Gerechtigkeit, Entwicklungspolitik, Menschenrechten, Dekolonisation und Demokratisierung aus feministisch-postkolonialer Perspektive auseinandersetzen.

Dr. Mathieu Rousselin, Alumni Fellow des Kollegs, und Dr. Olivia Rutazibwa, Postdoc Fellow am Kolleg, werden die Lecture kommentieren. Eine Diskussion wird sich anschließen. Die Veranstaltung wird moderiert  von Dr. Odila Triebel, Leiterin der Abteilung "Dialogue and Research Culture and Foreign Policy" des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

Nikita Dhawan ist Professorin für Politikwissenschaft (Politische Theorie und Gender Studies) und Direktorin der Forschungsplattform Geschlechterforschung: Identitäten – Diskurse – Transformationen der Universität Innsbruck, Österreich.

Datum: 13. Juni 2016, 18:00–19:30 h
Ort: ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart

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